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Wie alles begann
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Von Jens Albes, BZ März 1995

 

Die frühe Aprilabendsonne wirft schon längere Schatten auf die graue Fassade in der Münzgasse. Da leuchtet in einigen Metern Höhe plötzlich eine spanische Flagge auf, der Schriftzug "Casa Española" prangt dort. Schräg darunter öffnet sich eine alte Holztür. Dahinter gähnt die Leere eines lang gestreckten Hinterhofs. Lediglich ein paar Holzbrettchen, einige Pflanzen und mehrere Mülltonnen lockern die kahlen Wände auf. Hinten eine zweite Tür: Sie gibt den Blick frei auf vier, fünf Tische und eine Schar kleiner Holzhocker. Von der Decke baumelt eine Glühbirne.

Noch herrscht Ruhe vor dem Sturm: lediglich Geschäftsführer Benedikt Garrido Degenhardt hantiert hinter der lang gestreckten Theke. Akkurat: hat er dort eine kleine Armada von Sherry- und Rotweinflaschen aufgebaut. Wie viele es sind? „Hundert Flaschen. Manchmal werden die auch alle an einem Abend leer.“ Hinter ihm sind Schüsseln und Teller mit Oliven, Artischocken, Gambas und Manchego-Käse aufgereiht. „Tapas“ sagen die Spanier zu diesen Appetithäppchen.

Zehn Minuten später. Der erste Gast tritt zur Tür herein. Wienand Dreesen ist pensionierter Studienrat und seit 15 Jahren Stammgast. Während er an einem Glas Rotwein nippt, beschwert er sich über die für den Frühling 1995 angekündigte Schließung der Kneipe.