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Wie alles begann
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In der Tat schwebt das Damoklesschwert über der Casa Española: Das Erzbistum als ihr Eigentümer will hier ein neues Bürogebäude errichten lassen. Zum einen sei das alte Häuschen baufällig, zum anderen platze das Erzbischöfliche Ordinariat, fast aus allen Nähten, versichert dessen zuständiger Referatsleiter. Johannes Baumgartner. Da half es auch nichts, daß sich, als dies im März dieses Jahres bekannt wurde flugs eine Interessengemeinschaft zusammenfand und mit Unterschriftensammlungen wie Informationsständen für die Erhaltung der Kneipe Stimmung machte. Wiewohl es immer noch früh am Abend ist, haben sich die Casa und ihr Innenhof bereits mit lockeren Grüppchen von Gästen gefüllt.

Während Geschäftsführer Garrido rascher und rascher mit Sherry-, Wein- und, Sektgläsern jongliert, findet er noch genügend Ruhe, um etwas über die Geschichte der Casa Española zu erzählen. Zunächst erklärt er, warum er die Wände des Innenhofs schmucklos weiß gekachelt sind: Früher hatte hier die Metzgerei E. Ludwig (heute am Schwabentorplatz) ihr Domizil. Zugleich zogen immer mehr spanische Gastarbeiter nach Freiburg. Um 1962 suchte das Erzbistum ihnen ein Stück Heimat zu verschaffen und richtete ihnen die Casa Española ein.In Benedikt Garridos Eltern fand es ein ideales Bewirtungsehepaar. Leo Garrido Gauque war in einem Dorf in der spanischen Mancha geboren worden, dort, wo auch der berühmteste Dichter dieses Landes, Miguel de Cervantes, das Licht der Welt erblickt hatte. Seine Frau Marianne hingegen stammt aus dem Bayerischen Wald.

Rasch entwickelte sich die Casa Española zu einem beliebten Treffpunkt der spanischen Kolonie. Immerhin lebten nach Benedikt Garridos Auskunft, in den 60er und 70er Jahren rund 1500 Spanier in Freiburg. Diese konnten überdies bald in dem spanischen Laden einkaufen, den Leo Garrido 1975 in der Karlsstraße einrichtete. In den achtziger Jahren änderte sich dann ein einiges. Viele Spanier kehrten zurück in ihre Heimat: Freiburg brauchte kaum noch Gastarbeiter, zudem ging es nach dem Tod des Diktators Francisco Franco im Jahre 1975 mit der spanischen Wirtschaft deutlich bergauf.

Mitte der 80er eroberten dann die Deutschen die Casa Española. „Erst kamen die Studenten, und dann die linke Szene“ erzählt Bendikt Garridos. „Doch schon bald waren es Leute aus allen Schichten und aller Altersklassen.“

In der Tat ist jetzt nach Sonnenuntergang das Publikum nicht nur sehr zahlreich, sondern auch sehr gemischt. Während sich in der casa selbst ob des lauen Abends noch hie und da ein Hocker finden lässt, ist im Innenhof unter dem Sternenhimmel kaum noch ein Durchkommen. Ein kleiner Fatzke schreit aus seinem Kinderwagen heraus, eine Gruppe von Studenten hat es sich auf den Mülltonnen gemütlich gemacht und benutzt eine weitere als Tisch. Auf dem Zigarettenautomaten drängen sich die Sherrygläser, die jeweils ein schwarzer “Osborne”-Stier ziert. Die vollen Weingläser, die über die Menschenmenge wandern, laufen ständig Gefahr, einen teil ihres Inhaltes zu verlieren.