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Wie alles begann
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An die Hofwand gelehnt sinnen die beiden Freiburger Richter Jost Jung und Wolfgang Oswald über die eigentümliche Anziehungskraft der Casa Española nach: “Die Kneipe hat eine Charme mit einem einmaligen Charakter. Das ist hier nicht so geleckt und gestylt, sondern einfach natürlich. Ausserdem findet man hier so ein gemischtes Publikum”, meint Jung. Und sein Kollege Oswald äussert die Befürchtung, daß die Familie Garrido unmöglich einen gleichwertigen Ersatz finden könne.

Benedikt Garrido hat zwischenzeitlich hinter der Theke die dringend notwendige Verstärkung bekommen. Maria del Carmen Ruiz Merino, eine Musikstudentin aus Madrid, schenkt Wein ein, spült Gläser und hält Ausschau, ob sich jemand anschickt, die Zeche zu prellen. Walter Emmerle macht das gleiche; darüber hinaus scherzt er im Laufe des Abends mit zahlreichen Frauen. Die kennen ihn nur unter dem Spitznamen Jimmy und sind überzeugt, daß er, der Deutsche, von der CasaMannschaft am spanischsten aussieht.

Tatsachlich ist diese spanische Exklave im Herzen der Altstadt auch deshalb so beliebt, weil sich sehr leicht neue Kontakte knüpfen lassen. Carmen Ruiz sagt: "Viele kommen am frühen Abend allein hierher, stellen sich an die Theke und gucken nur rum. Wenn es dann enger und fröhlicher wird, werden sie oft in ein fremdes Gespräch einbezogen." Sogar Ehen sind auf diese Weise bereits gestiftet worden. Im September 1993 beispielsweise lernten sich hier die Marketing-Assistentin Konstanze Lind und der Berufsschullehrer Hans Pasch kennen, als man angeregt über die These diskutierte, ob Weingenuß den Augendruck senke. Im Juli 1994 schlossen dann beide den Bund fürs Leben. Die Casa lebt aber auch von ihren Stammgästen. "Viele betrachten sie schon als ihr Wohnzimmer", erzählt Carmen. "Die kommen jeden Abend und kennen sich untereinander seit Jahren. Es ist für sie wie eine Familie."

Am witzigsten sei jedoch, daß kaum noch Spanier selbst ihren Weg in diese spanische Kneipe fänden. Und remi Solano Rodriguez, die aus Andalusien stamt fügt hinzu: “Die Casa ist genauso wie eine typische spanische Dorfkneipe eingerichtet, in die vor allem ältere Männer gehen und entweder Karten spielen oder Fußball schauen. Ich würde da in Spanien nicht reingehen.”

Kurz darauf sind elf Glockenschläge zu hören. Es dauert nicht lange und Jimmy brüllt “Feierabend”. Natürlich stößt das auf wenig Gegenliebe. Er läßt deshalb auch noch das Licht in rascher Folge an- und ausgehen. Carmen sammelt abgestellte Gläser ein, Jimmy trägt Kästen mit leeren Flaschen zur Hoftür. Nur mit Mühe gelingt es ihnen, die Casa-Gäste zum Aufbruch zu bewegen.

Erst als es Mitternacht schlägt, kehrt in dem rund hundert Jahre alten Gemäuer langsam Ruhe ein. Endlich können sich auch Benedikt, Carmen und Jimmy ins private Vergnügen stürzen: Sie flanieren einige hundert Meter durch die Altstadt und landen in der “Pfeife” bei einem Pils. Schliesslich genießt ja deren Chef auch des öfteren die Sangria der Casa Española.