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Badische Zeitung, 31. Oktober 2012

Die „Casa Española" feiert 50. Geburtstag

Spaniens Enklave mitten in Freiburg - und das seit 50 Jahren: Die „Casa Española" brummt wie eh und je. Das Lokal ist längst eine Freiburger Institution geworden und mehr als ein Lokal.

  1. Die Casa wurde 1962 für spanische Gastartbeiter eröffnet. Foto: Patrik Müller

Es gibt heute noch Stammgäste, die waren damals schon dabei in der Münzgasse. Dort hat die Geschichte der Casa Española begonnen. Die Erzdiözese Freiburg hat das spanische Haus 1962 als Anlaufstelle für spanische Gastarbeiter gegründet.Um ihnen ein Stück Heimat zu bieten. Fünf Jahrzehnte später gibt’s die Casa immer noch, seit 1998 residiert sie in der Adelhauser Straße. Hinter dem Tresen stehen Benedikt Garrido, Sohn des ersten Casa-Wirts, und Thomas Kleis. Der Laden brummt wie eh und je. Das Lokal ist längst eine Freiburger Institution geworden.

Die Casa Española war am Anfang ein kirchlich-soziales Projekt. Der frühere Generalvikar der Erzdiözese, Ernst Föhr, soll den Anstoß zur Gründung gegeben haben, gemeinsam mit einem spanischen Pfarrer, der von Mannheim nach Freiburg kam. Damals, Anfang der 60er-Jahre, war die erste große Welle der spanischen Gastarbeiter nach Freiburg gekommen. Bald gab es mehr als 1000 Spanier in Freiburg, meist waren die Männer ohne ihre Familien gekommen. Die in kircheneigenen Räumen in der Münzgasse sollte ihnen als Anlaufstelle dienen. Zum Untersichsein, zum Kartenspielen. Vier Tische gab es in dem Raum, der spartanisch eingerichtet war. Von der Decke baumelte eine Glühbirne. In den Räumen hatte früher einmal die Metzgerei Ludwig ihr Domizil. In der ehemaligen Wurstküche verkauften Leo Garrido Gauque und seine Frau Marianne, die aus dem bayerischen Wald stammte, spanische Lebensmittel. Viel vom Casa-Leben spielte sich auch im Innenhof ab.


Tagsüber arbeitet Leo Garrido an der Drehbank in einer Firma in Haslach, abends schloss er die Casa auf. Seine Frau, Mutter von drei Kindern, begleitete oft spanische Gäste bei Arztbesuchen, um zu dolmetschen, berichtet Benedikt Garrido. Sonntags kochte die Mama für alle spanischen Eintopf. Deutsche Gäste gab es zunächst nur wenige. "Die Deutschen dachten immer, die Spanier an den Tischen streiten sich, dabei haben sie sich einfach nur laut unterhalten", schmunzelt Garrido. Nach Ende des Franco-Regimes in Spanien ging es in Spanien wirtschaftlich aufwärts. Die Zahl der Gastarbeiter sank. In den 80er-Jahren entdeckten dann die Freiburger die Casa.

Für viele war es ein Schock, als die spanische Enklave mit dem besonderen Charme im April 1995 schließen musste. Das Gebäude war baufällig, die Erzdiözese wollte an der Münzgasse Bürogebäude bauen.

Drei Jahre und einen Monat später feiert die Casa Española ihr Comeback. Benedikt Garrido, Sohn von Leo und Marianne, gelernter Hotelfachmann, und Thomas Kleis eröffneten an der Adelhauser Straße. "Die Idee, die Casa weiterzuführen, war immer da", sagen sie.Die Beiden hatten sich bei der Arbeit in der Enoteca kennen gelernt. Thomas Kleis stammt aus Titisee-Neustadt. Er ist Quereinsteiger in der Gastronomie: Er hat Kaufmann und Erzieher gelernt, arbeitete zehn Jahr in der Psychiatrie, wirtete dann im Babeuf im Stühlinger – und kam dann über die Enoteca in die Adelhauser Straße:

Garrido und Kleis schlossen gleich einen langfristigen Pachtvertrag. Sie wollten keine kurzlebige In-Kneipe. Sie modernisierten das Casa-Konzept: "70 Prozent der Stammgäste kamen gleich wieder", berichtet Thomas Kleis. Das spanische Ambiente ist geblieben. Die Kacheln an der Wand, die Neonröhren an der Decke, der große Stierkopf an der Wand. Und natürlich die Speisekarte: Tapas, Paella, aber auch eine Tageskarte, bei der sich die spanische mit der deutschen Küche mischt. In der Küche wird frisch und noch richtig gekocht, nicht umsonst wird das Lokal in Gastroführern gelobt.

Der Mix der Gäste ist der besondere Reiz


Im Untergeschoss findet sich das Comedor, das Restaurant, darüber die immer laute und abends stets volle Bar mit der Theke und den Tapas-Auslagen. Für die Wirte macht der Mix der Gäste den besonderen Reiz aus: Hier sitzen Erstsemester neben Richtern. "Das Casa-Publikum ist das Casa-Publikum", sagen die zwei Wirte. Auch das ist Teil des Erfolgs. "Viele Lokale in Freiburg verglühen wie Sternschnuppen, wir krähen nicht mit jedem Hahn", sagt Thomas Kleis. Fünf feste Mitarbeiter zählen zum Team. Niki, der Chefkellner-Wirbelwind, ist seit 15 Jahren dabei, der Küchenchef steht im zwölften Jahr am Herd des Lokals.

Benedikt Garridos Vater ist 1987 gestorben. Seine bayrische Mutter ist 1993 in die Mancha gezogen, in das Heimatdorf ihres Mannes. Regelmäßig kommt sie nach Freiburg und dann natürlich auch in die Adelhauser Straße. Und dann freut sie sich natürlich, dass die Casa Española auch nach einem halben Jahrhundert so jung geblieben ist.